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Institut für Katholische Theologie

Professuren

Die Professuren sind auf das Profil einer theologischen Anthropologie mit globaler bzw. globalgeschichtlicher Perspektive ausgerichtet. Das Institut ist mit fünf Professuren ausgestattet, davon zwei W3-Professuren, zwei W1-Professuren mit tenure track und eine W1-Professur. Hinzu kommt die Guardini-Professur, die, derzeit als Gastprofessur, alle zwei bis drei Jahre neu besetzt wird.

Die Professuren widmen sich in Lehre und Forschung den folgenden Gebieten:

1. Professur für Biblische Theologie

Primärer Gegenstand der Biblischen Theologie sind die Schriften des Alten und Neuen Testaments. Sie beschäftigt sich mit der Entstehungsgeschichte und mit Methoden der Auslegung der biblischen Schriften. Aufgabe und Ziel ist es, die biblischen Texte sowohl im Blick auf den historischen, kulturellen und religiösen Kontext ihrer Entstehung zu analysieren und zu interpretieren als auch im Blick auf ihre Bedeutung für aktuelle Fragen der Theologie und Kirche auszulegen. Deshalb beschäftigt sie sich mit der Kultur- und Literaturgeschichte, mit der Religionsgeschichte des Alten Orient und der griechisch-römischen Antike sowie mit der Biblischen Archäologie und reflektiert zugleich Fragen der Hermeneutik hinsichtlich einer wissenschaftlich verantworteten Auslegung und Aneignung der biblischen Schriften im Kontext von Theologie und Kirche. Bei der Analyse und Interpretation der biblischen Texte bedient sie sich derselben Methoden und Verfahren, wie sie in der Literaturgeschichte und Literaturwissenschaft allgemein üblich sind. Gegenstand der biblischen Theologie ist auch die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte der biblischen Texte. Hier ergeben sich Schnittfelder mit der Patrologie und Dogmengeschichte. Aufgrund der Bedeutung der Bibel als normative Vorgabe für die theologische Argumentation und die kirchlichen Lebensvollzüge kommt der Biblischen Theologie eine zentrale und grundlegende Stellung innerhalb der theologischen Fächer ebenso zu wie für die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu. Die Inhaberin bzw. der Inhaber der Professur sollte Fragen nach der Stellung des Menschen als Person in den biblischen Schriften und in der Entstehungszeit des Christentums eine besondere Bedeutung beimessen.

2. Professur für Historische Theologie

Die Historische Theologie fragt nach den unterschiedlichen Formen, die der christliche Glaube im Laufe seiner Entstehung bis in die Gegenwart gefunden hat, und sie untersucht und reflektiert die Entwicklung, Bedeutung und Rolle der Kirche bzw. der Kirchen in den unterschiedlichen Phasen der Geschichte. Ihr Gegenstand sind sowohl Personen und Ereignisse als auch Strukturen und Lebensvollzüge der Kirche beziehungsweise der Kirchen. Indem sie historische Fakten immer auch unter dem Vorzeichen ihrer Bedeutsamkeit für theologische Fragestellungen und für die heutige kirchliche Praxis und ihre Weiterentwicklung analysiert, geht sie über Gegenstand, Fragen und Aufgaben einer allgemeinen und profanen Geschichtswissenschaft hinaus. Gleichwohl greift sie auf keine anderen Grundlagen und Quellen als die Geschichtswissenschaft zurück und verwendet für ihre Untersuchung und Auswertung die üblichen historischen und philologischen Methoden und Verfahren. Analog zur Geschichtswissenschaft hat sich die Historische Theologie als universitäre Disziplin entsprechend der Epochenteilung in Antike, Mittelalter und Neuzeit ausdifferenziert, ohne darin aufzugehen. Zur Historischen Theologie gehören auch Teildisziplinen wie die Patrologie und die Ostkirchenkunde. In der Dogmen- und Theologiegeschichte gibt es Überschneidungen zwischen Historischer und Systematischer Theologie, in der Liturgiegeschichte zwischen Historischer und Praktischer Theologie. Der Professur kommt daher auch zentrale Bedeutung für die interdisziplinäre Kooperation des neuen Instituts zu. Gemäß dem Profil des Instituts sollte die Inhaberin bzw. der Inhaber der Professur der Ideengeschichte christlicher Anthropologie besondere Aufmerksamkeit widmen und sie in globalgeschichtlicher Perspektive erforschen.

3. Professur für Systematische Theologie

Gegenstand und Ziel der Systematischen Theologie sind die Untersuchung und die zusammenhängende Darstellung des christlichen Glaubens. Dabei fragt sie sowohl nach seinen Inhalten als auch nach seinen Entwicklungen und Veränderungen im Laufe der Geschichte sowie nach den Konsequenzen, die sich aus dem Glauben für das Leben der Kirche und der Glaubenden ergeben. Sie überprüft die einzelnen Glaubensüberzeugungen auf ihre Kohärenz untereinander und mit ihren Ursprüngen in der biblischen Überlieferung. Dabei erörtert sie den Wahrheitsanspruch der christlichen Glaubensüberzeugungen und die Gültigkeit der aus dem Glauben abgeleiteten Normen menschlichen Handelns auch in Auseinandersetzung mit der Vielzahl heutiger philosophischer, religiöser und weltanschaulicher Positionen. Sie reflektiert dabei über Wesen und Gegenstand der göttlichen Offenbarung sowie über die theoretischen Voraussetzungen von Glaube und Offenbarung. Zugleich versucht sie mit den Mitteln der kritischen Vernunft Rechenschaft zu geben über Glaube und Offenbarung als Quelle theologischer Erkenntnisse und ethisch-moralischer Aussagen. Damit ist die Aufgabe der Systematischen Theologie die kritische Reflexion und Überprüfung der kirchlichen Lehre und theologischer Lehrmeinungen, aber auch die Diskussion kirchlicher Glaubenssätze und theologischer Überzeugungen im Lichte aktueller Fragestellungen und Herausforderungen, mit denen sich die Kirche und die Glaubenden aufgrund gesellschaftlicher, kultureller, ökonomischer und ökologischer Entwicklungen sowie durch weitere Veränderungen in anderen Bereichen des Lebens konfrontiert sehen. Die Inhaberin bzw. der Inhaber sollte den Glaubensüberzeugungen besonders unter Berücksichtigung der Anthropologie reflektieren.

4. Professur für Praktische Theologie

Die Praktische Theologie behandelt und untersucht unterschiedliche Bereiche des kirchlich-religiösen Lebens und der religiösen Praxis. Sie umfasst neben der Pastoraltheologie vor allem Religionspädagogik, Liturgiewissenschaft und Kirchentheorie. Als praktisch-theologische Disziplinen analysieren und reflektieren Pastoraltheologie und Religionspädagogik Voraussetzungen und Formen religiöser Lernprozesse von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Kirche, Schule und Gesellschaft. Sie entwickeln sowohl theoretische Ansätze als auch Modelle für die Praxis der Glaubensvermittlung und der religiösen Bildung in all diesen Bereichen. Dabei bedienen sie sich der Methoden und Verfahren, die in den Erziehungs- und Kommunikationswissenschaften Anwendung finden. Sie beschäftigen sich mit Fragen der religiösen Erziehung in der Familie, mit Grundfragen der Vermittlung von religiösen Inhalten im schulischen Religionsunterricht, in der Erwachsenenbildung und in den Medien sowie mit den Voraussetzungen und Möglichkeiten von religiösem Lernen und Glaubensweitergabe in der Gemeindekatechese. Ihre Aufgabe und ihr Ziel ist die Befähigung zu einer wissenschaftlich verantworteten Praxis in der kirchlichen Verkündigung, in der Gemeindekatechese und im schulischen Religionsunterricht. Daneben reflektiert sie die vorhandene Praxis gelebter Religion. Angesichts des Profils des Instituts sollte sich die Inhaberin bzw. der Inhaber der Professur in besonderem Maße der Frage widmen, wie in einem gesellschaftlichen Kontext, der von religiöser Pluralisierung und Säkularisierung geprägt ist, die Bedeutung des Menschen als Person begründet werden kann und wie seine Würde in sozialen Beziehungen zu achten ist.

5. Professur für Theologische Ethik

Die Ethik befasst sich als Grundlagendisziplin in enger Anlehnung an die theologische Anthropologie mit Fragen nach dem moralisch Guten. Was ist eine moralisch gute Handlung? Welche Normen gelten für solche Handlungen? Wie können die Normen begründet werden? Und wie lässt sich mit moralisch guten Handlungen ein gutes und gerechtes Leben führen? Alle diese Fragen gilt es einerseits in individualethischer Perspektive zu stellen. Dann müssen die Struktur und die Begründbarkeit von Handlungen einzelner Personen in den Blick genommen werden. Andererseits sind die Fragen auch in sozial-ethischer Perspektive zu stellen. Dann gilt es zu untersuchen, welche Struktur eine soziale Gruppe, eine Gesellschaft oder ein Staat haben muss, damit Gerechtigkeit herrschen kann. Die Inhaberin bzw. der Inhaber der Professur sollte einen Schwerpunkt auf die Individualethik und/oder die Sozialethik legen und dabei die besondere theologische Dimension im Dialog mit Vertreterinnen und Vertretern der philosophischen Ethik betonen. Da sich heute viele ethische Fragen im Bereich der Lebenswissenschaften stellen (beispielsweise im Hinblick auf die Reproduktionsmedizin, die neuesten Entwicklungen in der Hirnforschung und in der Gentherapie, die technischen Möglichkeiten zur Lebensverlängerung oder den Umgang mit Tieren), sollte der Inhaber beziehungsweise die Inhaberin der Professur in enger Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern dieser Wissenschaften forschen und lehren. Es ist wünschenswert, dass er beziehungsweise sie sich neben der ethischen Grundlagenarbeit auch ausgewählten Problemen der angewandten Ethik bzw. Bioethik widmet.

6. Guardini-Professur für Religionsphilosophie und Theologische Ideengeschichte

Romano Guardini, ein bedeutender katholischer Theologe und Ideenhistoriker, hielt in Berlin von 1923 bis zum Lehrverbot durch die Nationalsozialisten im Jahr 1939 Vorlesungen und Seminare. Er widmete sich dabei vor allem Problemen der Religionsphilosophie und der katholischen Weltanschauung. Der Inhaber beziehungsweise die Inhaberin der Gastprofessur soll in dieser Tradition das theologisch-anthropologische Profil des Instituts stärken. Sowohl in historischer wie in systematischer Perspektive sollen Grundfragen der Religionsphilosophie behandelt werden, so etwa Fragen nach der rationalen Begründbarkeit von Glauben, nach der Struktur und Funktion religiöser Aussagen und nach dem Verhältnis von Glauben und Wissenschaft. Zudem soll der theologischen Ideengeschichte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Es soll untersucht werden, wie theologische Kernbegriffe entstanden sind, wie sie in religiösen und nicht-religiösen Debatten eingesetzt worden sind und wie sie sich in unterschiedlichen historischen und sozialen Kontexten gewandelt haben. In der Tradition Guardinis, der dezidiert gegen die nationalsozialistische Weltanschauung Position bezog, soll auch analysiert werden, wie mithilfe von theologischen Konzeptionen Grundwerte gegen repressive Ideologien und Unrechtssysteme verteidigt werden können.