Humboldt-Universität zu Berlin - Zentralinstitut für Katholische Theologie (IKT)

Herzlich willkommen auf der Seite des Lehrstuhls für Historische Theologie!

 

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                                                                                                     Foto:imageBROKER.com/Marc Rasmus

Historische Theologie ist eine mit den Methoden der allgemeinen Geschichtswissenschaft arbeitende Disziplin, die sich mit der Geschichte der christlichen Religion und der christlichen Kirchen von den Anfängen bis in die Gegenwart beschäftigt. Auf der Basis einer methodisch geleiteten Analyse von historischen Quellen will sie in erster Linie verstehen, wie Menschen unter Berufung auf christliche Traditionen und eigene Transzendenzerfahrungen ihre Vorstellungen von Gott entwickelt, ihr Verhältnis zur Welt praktiziert und in welch individuellen und kollektiven Formen ihre religiösen Deutungen ausgedrückt und sozial verfasst haben.

Ihr theologisches Profil erhält die Disziplin dadurch, dass sich die Themen, Gegenstände, Problemorientierungen und die konkreten Fragen, die sie an die Geschichte richtet, ganz wesentlich aus dem Kommunikationszusammenhang mit den anderen theologischen Fächern und im Blick auf die Problemlagen des Christentums in der Gegenwart ergeben.

Innerhalb der Theologie und des Theologiestudiums fördert die Historische Theologie ein Bewusstsein für die Vielfalt und Wandlungsdynamik christlicher Traditionsbestände – und leistet gerade dadurch einen Beitrag zu einer pluralitätsfähigen religiösen Identitätsbildung. Als hermeneutische Wissenschaft versucht sie insbesondere das Fremde in der Geschichte zu verstehen. Als kritische Wissenschaft sensibilisiert sie für die Anfälligkeit auch der christlichen Religion für Gewalt und Diskriminierung. Und mit alledem delegitimiert Historische Theologie jede Form von falscher Absolutsetzung und religiösem Fundamentalismus in der Gegenwart.

An der Berliner Professur wird versucht, das Fach genuin kulturwissenschaftlich auszurichten. Im Zentrum vieler Arbeiten stehen deswegen die symbolischen Praktiken, Rituale, Inszenierungen und materialen Verkörperungen historischer Akteur*innen.

 

 

Aktuelles


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Neuerscheinung

Günther Wassilowsky:

Gnade im Werk Michelangelos

 

In allen Theorien des Schönen und der Kunst, die in der italienischen Renaissance entwickelt wurden, nimmt der Begriff der grazia eine Schlüsselstellung ein. Ebenso gab es in der Theologie des 16. Jahrhunderts keinen anderen Gegenstand, der so kontrovers diskutiert wurde wie der der gratia. Sowohl in der Ästhetik als auch in der Religion verweist grazia/gratia auf eine Gabe, die vom Menschen nicht hergestellt, verdient oder eingefordert werden kann. Gnade ist in Kunst wie Theologie eine Figur der Unverfügbarkeit, der Unbegreiflichkeit und einer nicht regulierbaren Freiheit. Das gilt auch für das Nachdenken über Gnade vor der Reformation. Die vielen unterschiedlichen Theologien des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit unterscheiden sich nicht hinsichtlich des grundsätzlichen Charakters, den sie der gratia als unverdienbarer, volatiler, alles menschliche Maß sprengender Gabe zuschreiben, sondern in der Frage nach der Bedeutung der menschlichen Werke. Stellen diese Werke und die Anstrengungen des Menschen vor und nach der Gnadengabe – auch wenn sie die Gnade nicht erzwingen oder produzieren können – einen integralen und notwendigen Bestandteil des Heilsgeschehens und des Kunstschaffens dar?

In der Studie wird der Versuch unternommen, das bildnerische wie dichterische Werk von Michelangelo Buonarroti (1475–1564) mittels einer Untersuchung seiner Vorstellung von Gnade einzuordnen in das komplexe Feld der Religionsgeschichte Italiens im 16. Jahrhundert. Erschienen im Verlag Aschendorff


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Neuerscheinung

Günther Wassilowsky (Hg.):

Rom in Berlin

100 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Deutschland

 

Mit der Errichtung der Apostolischen Nuntiatur in Berlin im Jahre 1920 begann eine neue Epoche der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Deutschland. Rund 50 Jahre nach Gründung des deutschen Nationalstaates, nach Beilegung des Kulturkampfes, nach der Katastrophe des Ersten Weltkrieges, nach Verkündigung der Weimarer Reichsverfassung und im Zusammenspiel verschiedener gesellschaftlicher, kultureller und kirchlicher Entwicklungen war die Zeit reif, das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und deutschem Staat auf eine neue Grundlage zu stellen und in einer dauerhaften päpstlichen Vertretung in Berlin zu institutionalisieren.

Der Band dokumentiert ein Symposium, das im Juni 2021 anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Apostolischen Nuntiatur in Berlin stattfand. Historische Beiträge beleuchten die lange Vorgeschichte, die Voraussetzungen und katholizismusgeschichtlichen Kontexte der Nuntiaturgründung. Aus juristischer Sicht wird nach ihren staats- und völkerrechtlichen Implikationen gefragt. Und schließlich werden die gegenwärtigen Herausforderungen und Perspektiven des Verhältnisses von Kirche und Staat theologisch reflektiert.


Lehrangebot der Historischen Theologie im Wintersemester 2022/23


Lehrangebot der Historischen Theologie im Sommersemester 2022


„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!“

"Modul Gott zur Sprache bringen" - Lehrstuhl für Historische Theologie

Der inhaltliche Schwerpunkt im Modul „Gott zur Sprache bringen“ vom Sommersemester 2022 wurde durch den gegenwärtigen Krieg in der Ukraine von trauriger Realität eingeholt: In drei, vom Lehrstuhl für Historische Theologie angebotenen Lehrveranstaltungen widmet sich das IKT der theologischen Auseinandersetzung mit Krieg und Frieden. Die Vorlesung von Dr. Markus Thurau vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr macht sich so die Kriegserfahrungen, Gewalttheorien und Friedenshoffnungen in der Geschichte des Christentums zum Thema und will Einblicke in die historische Friedens- und Konfliktforschung geben. Im Seminar von Stefan Schöch wird eine der bedeutendsten Friedensschriften des Humanismus, „Querela Pacis“, die „Klage des Friedens“ des Erasmus von Rotterdam gemeinsam studiert und auf ihre zeitlose Ausdruckskraft hin befragt. Dr. Regina Elsner, ausgewiesene Expertin für die Orthodoxen Kirchen am Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien, setzt sich in ihrem Seminar mit der Friedensethik und Kriegstheologie auseinander, um auch das konkrete Beispiel der Gewalt in der Ukraine vor dem Hintergrund friedensethischer und konflikttheologischer Konzepte in den Orthodoxen Kirchen zu bearbeiten.

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Prof. Wassilowsky ist im Sommersemester 2022 im Forschungssemester und bietet keine Lehrveranstaltungen an.


Vortrag von Prof. Dr. Günther Wassilowsky "Ferdinand Gregorovius und das Judentum"

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Lehrangebot der Historischen Theologie im Wintersemester 2021/22