Herzlich willkommen auf der Seite des
Lehrstuhls für Biblische Theologie!
Die biblische Theologie befasst sich mit der wissenschaftlichen und kritischen Untersuchung der Bibel unter Verwendung interdisziplinärer Analysemethoden: historische, literarische, philologische, digitale, kulturwissenschaftliche usw. Die biblische Literatur, die im christlichen Kontext das Alte und das Neue Testament umfasst, wird in den größeren Kontext der Literaturen des Alten Orients und der hellenistischen Welt, die sie umgeben, gestellt. Das Studium der alten Sprachen, aus denen diese literarischen Korpora hervorgegangen sind – Hebräisch, Griechisch, Aramäisch, Syrisch und Latein –, ist ein grundlegender Zugang zum Verständnis dieser Texte.
Der Lehrstuhl für Biblische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin plant insbesondere die Entwicklung von vier Forschungs- und Lehrbereichen:
Textuelle Veränderungen
Der Lehrstuhl für Biblische Theologie möchte das Studium der Variation und Veränderung biblischer Texte im Laufe der Zeit in den Vordergrund stellen. Diese Transformationen werden sowohl in einsprachigen Textüberlieferungen, beispielsweise von den ersten handschriftlichen Zeugnissen in Qumran bis hin zu mittelalterlichen Handschriftentraditionen, als auch in mehrsprachigen Textüberlieferungen anhand alter (oder moderner) Übersetzungen, beispielsweise ins Griechische oder Syrische, betrachtet. Ziel ist es, die Variation sowohl aus historischer Perspektive – wie entwickelt sich eine Tradition – als auch aus theologischer Perspektive – wie variieren Konzepte im Laufe der Textüberlieferung – zu untersuchen. Das Interesse gilt dabei eher bestimmten handschriftlichen Zeugnissen als allgemeinen Vergleichen rekonstruierter Textüberlieferungen.
Qumran-Studien
Die im 20. Jahrhundert entdeckten Schriftrollen vom Toten Meer haben unsere Herangehensweise an biblische Texte in mindestens drei Bereichen tiefgreifend revolutioniert: (1) die Geschichte der Überlieferung der Texte der hebräischen Bibel; (2) das Wissen aus erster Hand über die jüdische Welt und Literatur der hellenistischen und römischen Zeit; (3) und schließlich, als Folge davon, ein neues Verständnis des Neuen Testaments.
Computergestützte Philologie
Große Fortschritte in der Computerlinguistik und im maschinellen Lernen eröffnen neue Herausforderungen und Forschungsfelder für die Bibelwissenschaft. Dies erfordert neue Modelle der Zusammenarbeit zwischen Bibelwissenschaft, Informatik und Mathematik. Biblische Texte weisen ihre eigenen spezifischen Probleme auf: Sie sind in seltenen oder schlecht dokumentierten Sprachen verfasst (Hebräisch, Koine-Griechisch, Aramäisch, Syrisch usw.), oft fragmentarisch und schwer lesbar, und es handelt sich um handschriftlich überlieferte Texttraditionen, die während ihrer Überlieferung erhebliche genetische Variationen erfahren haben. Die Erstellung kritischer Ausgaben oder die Gesamtanalyse von Textüberlieferungen setzt Analysearbeiten voraus, für die es notwendig ist, Werkzeuge für die automatisierte (überwachte oder unüberwachte) morphosyntaktische Kennzeichnung (POS-Tagging), semantische Kennzeichnung und Selbstausrichtung von Texten zu entwickeln, die eine automatische Kollationierung von Varianten ermöglichen, gefolgt von automatisiertem Lernen zur Analyse und Klassifizierung von Textvarianten zwischen verschiedenen Zeugen und zur Modellierung von Schreibpraktiken. Der Lehrstuhl für Biblische Theologie betreut derzeit drei Projekte in diesem Bereich: SHERBET, BENTO und SCRIBES.
Feministische Philologie
Wir werden versuchen, die Praktiken der Textbearbeitung, die Geschichte der Textüberlieferung, die lexikografischen Praktiken und die Übersetzungsmodelle, die unser Verständnis von Texten geprägt haben, aus feministischer Perspektive zu hinterfragen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die androzentrischen Vorurteile bei der Erstellung von Wörterbüchern alter Sprachen gelegt, die in der Regel im 19. Jahrhundert entstanden sind. In der Textkritik analysiert sie, wie redaktionelle Entscheidungen geschlechtsspezifische Vorurteile widerspiegeln und damit die Entstehung der Texte selbst, ihre handschriftliche Überlieferung und ihre Übersetzungen in alte oder moderne Sprachen beeinflussen. Dieser Ansatz untersucht auch die geschlechtsspezifische Rezeption von Texten im Laufe der Jahrhunderte und zeigt auf, wie bestimmte Interpretationen marginalisiert oder unsichtbar gemacht wurden. Im Rahmen eines Lehrstuhls für biblische Theologie sind diese Fragen von besonderer Bedeutung, da sie kanonische literarische Traditionen betreffen, die die Theologie und das Recht geprägt und strukturiert haben.
Prof.‘in Dr. Frédérique Rey wird neue Professorin für Biblische Theologie
Zum 1. September hat Frau Professorin Frédérique Rey die Professur für Biblische Theologie am IKT übernommen. Wir freuen uns sehr, Frau Rey an unserem Institut begrüßen zu dürfen.
Mit unserer neuen Kollegin lehrt und forscht eine international anerkannte Theologin und Bibelwissenschaftlerin am IKT, die sich auf die Erforschung antiker jüdischer und christlicher Literatur spezialisiert hat.

Nützliche Links:
Wissenschaftliches Bibellexikon im Internet (WiBiLex): http://www.wibilex.de/
Index Theologicus (Zeitschrifteninhaltsdienst Theologie): http://www.ixtheo.de/
Alle relevanten Bibelausgaben online: https://www.bibleserver.com
Biblia Hebraica, Septuaginta & Vulgata online: https://www.bibelwissenschaft.de/online-bibeln/
Die Bibel in der Kunst: https://www.bibelwissenschaft.de/die-bibel-in-der-kunst-bible-in-the-arts/
Das Wissenschaftlich-Religionspädagogische Lexikon: https://www.bibelwissenschaft.de/wirelex/wirelex/
Kostenlose Bibelsoftware: https://www.logos.com/academic-basic
Die Deutsche Bibelgesellschaft: https://www.die-bibel.de/
Katholisches Bibelwerk Stuttgart: http://www.bibelwerk.de/
Die Bibel im Internet – umfangreiche Linksammlung von Prof. Dr. Thomas Hieke: http://bibel.thomashieke.de/
Studium in Israel: http://www.studium-in-israel.de/